Wo finden Sie die richtigen Nachhaltigkeitsdaten für Ihre Finanzanwendung? Dieser Guide hilft bei der Auswahl.
Nachhaltigkeitsdaten kaufen: wo Sie ESG-Daten für Webseite und App finden und worauf es ankommt
Sie wollen Ihren Nutzer:innen Nachhaltigkeitsdaten zeigen, damit sie Unternehmen und Produkte finden, die zu ihren Werten passen.
Ein sinnvoller Schritt, denn das Interesse an nachhaltiger Geldanlage ist bei Privatanleger:innen unverändert hoch. Nur ist der Einkauf von ESG-Daten deutlich heikler als der von Fundamentaldaten.
Bei Bilanzkennzahlen gibt es eine berichtete Wahrheit. Bei Nachhaltigkeit gibt es das nicht. Zwei seriöse Anbieter können dasselbe Unternehmen gegensätzlich bewerten, Methoden sind oft intransparent, die Abdeckung kleinerer und europäischer Firmen ist dünn. Wer hier die falsche Quelle wählt, riskiert nicht nur einen teuren Rebuild, sondern auch irreführende Aussagen gegenüber Retail-Kund:innen. Dieser Leitfaden zeigt, wo Sie Nachhaltigkeitsdaten kaufen und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.
Wo finde ich Nachhaltigkeitsdaten? Die Anbieter-Kategorien
Der Markt ist breiter als bei klassischen Finanzdaten, weil ESG viele Achsen hat: Klima, Soziales, Unternehmensführung, Lieferkette, Kontroversen.
1. Große Rating- und Research-Häuser
MSCI, Morningstar Sustainalytics, S&P Global Sustainable1, LSEG, Bloomberg, ISS ESG, FTSE Russell und Moody's dominieren den Markt. Sie bieten breite globale Abdeckung, lange Historie und tiefe Research-Reports. Sustainalytics deckt nach eigenen Angaben über 16.000 Unternehmen ab, MSCI und S&P Global bewegen sich in ähnlichen Größenordnungen. Ausgeliefert wird meist über Terminals und Enterprise-Datenfeeds, zu institutionellen Preisen.
Diese Häuser sind stark, wenn Sie institutionelle Tiefe und regulatorische Anschlussfähigkeit brauchen. Für die reine Anzeige in einer Retail-App ist ihr Zuschnitt oft überdimensioniert und teuer.
2. Spezialisten und Kontroversen-Feeds
Für einzelne Achsen gibt es fokussierte Anbieter. CDP liefert Rohdaten zu Klima, Wasser und Wald direkt aus Unternehmens-Disclosures. RepRisk und ähnliche Dienste liefern Kontroversen-Signale nahezu laufend, als Ergänzung zu den statischen Jahres-Scores. EcoVadis bewertet Lieferketten. Diese Quellen sind wertvoll, wenn eine bestimmte Dimension im Zentrum steht.
3. API-first-Anbieter und Aggregatoren
Neuere, entwicklerfreundliche Anbieter wie Clarity AI oder ESG Book setzen auf API-Zugang statt Terminal und lassen sich leichter in eine App integrieren. Auch einzelne Marktdaten-APIs führen ein ESG-Modul. Für die technische Integration ist das oft der pragmatischere Weg, sofern Abdeckung und Lizenz passen.
4. Eigene Sammlung aus Primärquellen
Rohdaten liegen in den Nachhaltigkeitsberichten der Unternehmen (in Europa zunehmend nach CSRD und ESRS strukturiert), in CDP-Disclosures und in öffentlichen Registern. Kostenlos, aber mit demselben Vorbehalt wie bei Fundamentaldaten: Normalisierung, Vergleichbarkeit und Pflege übernehmen Sie selbst. Bei ESG kommt erschwerend hinzu, dass die Berichtstiefe zwischen Unternehmen stark schwankt.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
1. Was misst der Score überhaupt, und in welche Richtung? ESG-Scores messen nicht dasselbe. Für wen wollen Sie diese Daten ohnehin beziehen und anzeigen? Institutionelle Investoren interessieren hier völlig andere Dinge als den gewöhnlichen Retail-Anlegenden.
2. Rating-Divergenz und Methodentransparenz. Dieselbe Firma kann bei einem Anbieter Vorreiter und beim anderen Hochrisiko sein. Die viel zitierte MIT-Studie von Berg, Kölbel und Rigobon (2022) fand für sechs große Agenturen eine durchschnittliche Korrelation von nur rund 0,54, während Kreditratings bei etwa 0,99 liegen. Am wenigsten übereinstimmend ist ausgerechnet die Governance-Dimension. Für Sie heißt das: Verlangen Sie eine nachvollziehbare Methoden-Dokumentation, zeigen Sie Sub-Scores statt nur einer Gesamtnote, und erwägen Sie mehr als eine Quelle.
3. Redistributionsrecht und Lizenz. Wie bei Fundamentaldaten gilt: Die Anzeige gegenüber Endnutzer:innen braucht in der Regel eine eigene Redistributionslizenz. ESG-Scores sind hier oft noch strenger lizenziert als reine Marktdaten, weil sie das geistige Eigentum der Rating-Methodik enthalten. Klären Sie vor Vertragsabschluss, ob Sie Scores und Labels öffentlich ausspielen dürfen.
4. Abdeckung, Aktualität und Datenlücken. Prüfen Sie die Abdeckung für Ihre konkrete Titelliste, besonders bei europäischen Werten und Small Caps, wo die Offenlegung dünner ist. Beachten Sie außerdem, dass Scores nicht in Echtzeit aktualisiert werden, sondern nach Anbieter-Zeitplan.
5. Delivery und Preis. Bei der Auslieferung reicht die Spanne vom Terminal über Flat Files bis zur modernen API. Preislich liegen die großen Häuser im Enterprise-Bereich, API-first-Anbieter sind zugänglicher, einzelne Rohquellen wie CDP teilweise offen. Prüfen Sie wie immer Rate-Limits, SLA und Skalierbarkeit.
Von Compliance-Daten zur Nutzung: der oft übersehene Punkt
Angenommen, Quelle, Lizenz und Methodik stimmen. Dann haben Sie korrekte ESG-Daten im Frontend. Nur beantworten institutionelle Risiko-Scores selten die Frage, die Ihre Retail-Nutzer:innen wirklich haben. Ein Rating wie "AA" oder ein Risikowert auf einer 0-bis-50-Skala ist für die Portfoliosteuerung und das regulatorische Reporting gebaut, nicht dafür, dass eine Privatanleger:in erkennt, welche Unternehmen zu ihren Werten passen.
Genau hier setzen wir bei money:care an. Wir liefern Nachhaltigkeits-Scoring entlang der Achsen Klima, Gesellschaft und Gender, aufbereitet für Retail und als Discovery-Schicht ausspielbar, per REST-API oder als integrationsarmes Widget, compliance-konform.
So finden Anleger:innen Unternehmen, die zu ihren Werten passen, und gelangen von der Haltung zu einer konkreten Idee.
Sie wollen wissen, welche Nachhaltigkeitsdaten Ihr Use-Case wirklich braucht und wie aus Werten Nutzung wird? Sprechen Sie mit uns. In einem kurzen Gespräch ordnen wir Ihren Bedarf ein und zeigen, wie eine wertebasierte Discovery-Schicht aussehen kann.